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Ruamleichtn

     
 
Wo wird der Brauch in OÖ gelebt?

Zeitraum:
Früher an verschiedenen Oktoberabenden; heute am 31. Oktober
Kategorie:
Halloween, Bräuche im Herbst

 

Wenn die Tage wieder kürzer werden und die Dunkelheit früh hereinbricht, spielt das Thema Licht heute genauso wie früher eine große Rolle in unserem Alltagsleben. Elektrisches Licht ist mehr als eine Selbstverständlichkeit, aber auch sanftes Kerzenlicht kommt in der dunklen Jahreszeit wieder ins Spiel. In Ebensee lebt heute ein alter, herbstlicher Lichterbrauch wieder auf – das Ruamleichtn!

„Ruamleichtn sind wir als Kinder immer gegangen“, erzählt Cäcilia Rieder. Sie ist eine waschechte Ebenseerin und erinnert sich gerne an diese herbstlichen Tage ihrer Kindheit. „Sobald die Dämmerung im Herbst früh hereingebrochen ist, haben wir uns in kleinen Gruppen aufgemacht, sind von Haus zu Haus gezogen und haben mit unseren kerzenhellen Rüben in die Fenster hineingeleuchtet!“ schmunzelt sie.

Ruamleichtn ist ein Kinderbrauch, der sich fast ausschließlich im Ebenseer Ortsteil Kohlstatt abgespielt hat. Einige Ebenseer erinnern sich noch heute daran, dass die Kinder im Ort schon vor mehr als 70 Jahren Ruamleichtn gegangen sind – also schon lange, bevor Halloween bei uns Einzug gehalten hat.

Das Ruamleichtn war auch nicht auf die Nacht von 31. Oktober auf 1. November reduziert, denn die Kindergruppen waren an mehreren herbstlichen Oktoberabenden bis spätestens Allerheiligen unterwegs. Gepflegt wurde das Ruamleichtn auch grundsätzlich nicht als Heischebrauch, sondern einfach aus Freude an der Sache. „Wir haben das einfach gemacht, weil wir dabei einen riesengroßen Spaß hatten“, erinnert sich Cäcilia Rieder. „Manche Gewährsleute, mit denen ich gesprochen habe, erzählten mir aber, dass es schon ab und zu eine Kleinigkeit für die Kinder gegeben hat“, fügt der Ebenseer Brauchtumsforscher Walter Rieder hinzu, der im Herbst 2014 Aufzeichnungen über das Ruamleichtn gemacht hat.

Eine möglichst große Runkelrübe wird zu einer herbstlichen Laterne. Man schneidet die Rübe oben auf, höhlt sie mit einem Löffel aus, schneidet Augen, Nase und Mund ein, stellt ein Teelicht in die Laterne, setzt den Deckel oben auf und befestigt die Rübe seitlich mit Draht an einem Holzstecken.

Der Brauch wurde vor wenigen Jahrzehnten vom in Mode gekommenen Halloween abgelöst und ist in Vergessenheit geraten. Nur wenige Ebenseer erinnerten sich noch an ihr Ruamleichtn. Die Kinderfreunde Ebensee haben vor etwa zwölf Jahren zum ersten Mal ein Halloweenfest organisiert, sind aber mit den Kindern – nachdem sie vom Ruamleichtn erfahren haben – schon zwei Jahre später statt mit Kürbissen mit hell erleuchteten Rüben durch die Ebenseer Herbstnacht gezogen. Das Ruamleichtn wird also heute als organisierte Veranstaltung abgehalten: Am 31. Oktober treffen sich Kinder bei Einbruch der Dunkelheit vor dem Ebenseer Arbeiterheim und ziehen in einem kleinen Umzug – ähnlich dem Laternenumzug beim Martinsfest – durch die Ebenseer Gassen wieder zurück ins Arbeiterheim, wo es eine kleine Jause gibt.

Siehe auch: Halloween

    Ehepaar Rieder mit ihrer Rübenlaterne
Cäcilia und Walter Rieder aus Ebensee
Foto/Galatz Rübenlaterne
Rübenlaterne
Foto/Galatz Rübenlaterne
Rübenlaterne
Foto/Galatz